Mona plaudert aus dem Nähkäst… – pardon, aus der Stallgasse
Mona plaudert aus dem Nähkäst… – pardon, aus der Stallgasse
zum Thema zu Verleihen und Verschenken:
Mein Mensch hat neulich seinen (oder eher meinen?) Sattelschrank, der gegenüber meiner Box steht, aufgeräumt. Was da alles wieder zum Vorschein kam! Ich hatte den Eindruck, mein Mensch war auch erstaunt, was wir alles haben, und ärgerte sich ein wenig über seine Vergesslichkeit, wenn er einkaufen geht: Fliegenmasken haben wir für die nächsten Jahre genug auf Vorrat! Und sooo hart arbeiten wir nun auch wieder nicht, dass ich drei Abschwitzdecken bräuchte...
Lange vor meiner Zeit kam mein Mensch wohl etwas überraschend an einen Berufskollegen von mir, heißt, er kam zusätzlich zu seinem bereits vorhandenen Reitpony zu einem Pferd, das sich ihn als Eigentümer ausgesucht hatte, obwohl er doch gar kein zweites Pferd wollte. Die damaligen Miteinsteller haben die Aufnahme dieser Stute aber unterstützt und aus ihrem Überfluss Sachen geschenkt: Ein Halfter, eine Abschwitzdecke, Wasserbottich, Putzzeug, Zügel, eine Osteopathin behandelte ohne Berechnung, eine Tierärztin berechnete die „Instandsetzungskosten“ nicht (herzlichen Dank noch einmal an alle Beteiligten – das war ein riesiger Segen!). Die Unterstützung aus dem Überfluss anderer war wohl eine echte Ermutigung, das quasi zugelaufene Pferdchen wirklich zu behalten.
Mein Mensch erzählte einmal von einem Zweibeiner namens Verleihnix (komischer Name…), und dass das doch nicht so eine schöne Eigenschaft sei, nichts auszuleihen.
Neben unserem Sattelschrank stehen unsere Geräte zum Ausmisten und Fegen, alle mit meinem Namen beschriftet. Mein Mensch sagt anderen Zweibeinern gelegentlich, dass sie die Sachen gerne benutzen dürfen, nur bitte nach Gebrauch wieder zurückbringen sollen. Denn mein Mensch ist manchmal etwas verärgert, wenn er mit suchenden Blicken durch den Stall läuft und unser Werkzeug erst suchen muss, bevor er meinen Wohnraum sauber macht.
Neulich kam ein anderer Zweibeiner zu meinem Menschen und entschuldigte sich, dass er die Peitsche ausgeliehen hatte. Es war ein Notfall mit Kolik und da war unsere Peitsche die nächste greifbare. Mein Mensch war völlig tiefenentspannt und sagte: „Klar kann die Peitsche bei Bedarf genommen werden.“ Yep, sehe ich auch so! Ausgerechnet die Peitsche, die mich im Roundpen in Bewegung hält – die braucht aus meiner Sicht gar nicht so dringend zurückgebracht werden.
Ich muss allerdings zugeben, dass ich mich selbst immer etwas schwertue, wenn mein Boxennachbar über die Abtrennung nach meinem Heu angelt… da muss ich sicherlich etwas umdenken und auch mal etwas abgeben können.
Ich bin übrigens froh, dass meine wichtigste Kleidung angewachsen ist, mit gewissem Selbstreinigungseffekt und selbsterneuernd. Gott hat das echt wunderbar eingerichtet an mir. Bei all dem Vielen, was die Menschen brauchen, frage ich mich manchmal, wonach sie eigentlich suchen? Für Gemeinschaft oder um etwas zusammen zu machen, braucht es gar nicht viel. Ein Mensch namens H. H. Deichmann soll mal gesagt haben: „Mir gehört nur, was ich verschenke“. Vielleicht wären Menschen glücklicher, wenn sie mehr verschenken und sich an der Freude der Beschenkten mitfreuen? Und wenn sie die Schöpfung, in der sie leben dürfen, wieder wahrnehmen können und nicht nur auf das sehen, was ihnen fehlt? Ein Mensch in der Bibel hat das mal so schön ausgedrückt: „Ich preise dich, dass ich so wunderbar und staunenswert erschaffen bin. Ja, das habe ich erkannt: Deine Werke sind wunderbar!“ (Psalm 139 Vers 14)
Mein Schöpfer gibt schließlich gerne und reichlich – und er fordert uns auf, ebenfalls großzügig zu geben. Lies doch selbst mal nach! Zum Beispiel im 2. Korintherbrief, Kapitel 9, Vers 7: Jeder von euch muss selbst entscheiden, wie viel er geben möchte. Gebt jedoch nicht widerwillig oder unter Zwang, denn Gott liebt den Menschen, der gerne gibt.
Herzliche Grüße, Eure Mona Lisa