Ich und Ruhe??
Ich und Ruhe??
Ich soll eine Andacht schreiben. Thema: Zur Ruhe kommen. Wer mich kennt, der weiß, dass sich die Ruhe und meine Person auf unterschiedlichen Planeten befinden.
Als Reittherapeutin bevorzuge ich natürlich sehr ruhige Pferde, am liebsten so richtige „Schlaftabletten“. Ich brauche Unerschrockenheit, Lethargie, Entspannung und deutlich sichtbare Gelassenheit, damit die Patienten aus der Psychiatrie, die mit sehr viel Unruhe und vielen Ängsten ankommen, ins Vertrauen hineinfinden können. Das steht im krassen Gegensatz zu mir als Person, denn ich fühle mich häufig angetrieben und weitergetrieben, ich möchte alles perfekt machen und möglichst alles und jeden im Blick haben. Durch den Stallbetrieb, die Tischlerei meines Mannes, Ehrenämter und familiäre Herausforderungen ist das Thema Ruhe auf der Prioritätenliste nicht ganz oben angesiedelt. Und es fällt mir schwer, passende Gedankengänge dazu zu finden. Banale Kalenderweisheiten wie „Ruhe ist wichtig“, „Einfach mal Pause einplanen“, „Du musst auf dich achten und zur Ruhe kommen“ scheinen mir zu flach und werden meinen vielfältigen Lebensrealitäten kaum gerecht.
Beim Durchblättern einiger Andachten, die ich anlässlich der Profitreffen im SRS-Pferdesport-Team gehalten habe, stoße ich auf die Geschichte der Bibel, in der die Jünger Jesu nach einer anstrengenden Arbeitsnacht als Fischer auf dem See nichts gefangen hatten. Gar nichts. Müde und frustriert rudern sie ans Ufer zurück. Mit nichts in der Hand und Frust im Herzen. Da sehen sie einen Mann am Ufer stehen. Es war Jesus. Er hatte Feuer gemacht und Frühstück vorbereitet. ER hatte Fische.
Die Jünger brauchten nach dieser Nacht und in ihrem Frust keine Predigt. Sie brauchten einen Versorger. Sie brauchten Trost durch Taten! Sie brauchten keine Worte. Sie brauchten das Gefühl, dass alles gut wird und sie keine Versager waren. Liebe geht durch den Magen – bei Pferden ja meistens auch. Bei meinen jedenfalls.
Und das tat Jesus. Er hat Essen gemacht.
Während ich diese Worte las, wurde mir klar: Wer zur Ruhe kommen möchte, braucht das sichere Gefühl, versorgt zu werden! Jesus war dieser Versorger.
Diese Andacht habe ich damals in einer Zeit gehalten, in der vieles ins Wanken gekommen war. Mein bestes Therapiepferd war alt, eins unvorhergesehen unheilbar krank, eins konnte nur noch mit Schmerzmitteln laufen, bei einem Pony stellten wir eine Stoffwechselstörung fest. Alles wurde noch komplizierter, teurer, blockiert. Die Frage, wie es weitergehen sollte, stand im Raum. Wir hatten viel investiert. Die Finanzen waren knapp, die Kräfte auch. Einzig die Berufung, Menschen mit psychischen Erkrankungen durch Pferde zu stärken, war stabil geblieben. Durch die Geschichte der Jünger, die erlebten, dass sie gestärkt wurden, war ich neu ermutigt, auf Jesus als den Versorger der Reittherapie zu vertrauen. Trotz aller offenen Fragen gab mir das eine ganz andere Ruhe, als ich sie in mir selbst finden konnte.
In dieser Zeit suchte ich bei einer Autofahrt ein bestimmtes Lied auf einer CD, das mich früher schon einmal in einer schwierigen Phase begleitet hatte und das ich schon fast vergessen hatte. Ich fand es aber nicht. Stattdessen erklang plötzlich ein anderes Lied wie eine Antwort von Gott, die mich in dieser Unruhe-Zeit tief berührte:
„Egal, was dir Sorgen macht, was dich um den Schlaf gebracht, was dir auf der Seele liegt, dich unterkriegt und lähmt, egal was dich beschämt: Ich steh zu dir. Denk dran und vertraue mir. Auch wenn du verzweifelt bist und mich vergisst, bin ich hier – mein Kind, ich steh immer zu dir“. Gesungen von Cae Gauntt.
Dieser „Zufall“ war mein persönliches „okay“ von Gott, Entscheidungen für die Zukunft treffen zu dürfen, mit denen ich mich schon lange beschäftigen musste. Statt einer gefühlten Lähmung, nicht handeln zu können, blockiert zu sein, empfand ich nun eine innere Ruhe, aus der heraus ich Entscheidungen treffen konnte, wie es mit der Reittherapie weitergeht.
In der Folge hat Gott mich weiter versorgt und neue Wege geöffnet. Ein neues Pferd wurde auf wundersame Weise gefunden und Gott kümmerte sich auch um die Details. In allem Umbruch, in allen offenen Fragen, in allen Herausforderungen fanden sich immer wieder Puzzleteile und Fragmente, in denen Gott sich zeigte und mich versorgte. Tag für Tag. Eine WhatsApp zur rechten Zeit, ein täglicher Anruf einer lieben Freundin, die im Krankenbett genug Zeit und Gedanken für mich hatte, gute Ideen, Freunde, ein Paket mit liebevollen Kleinigkeiten, gute Beratung, hilfreicher Zuspruch von Tierärzten meines Vertrauens, Trainerinnen, die Sicherheit und Entlastung geben konnten, und vieles mehr…
Das bedeutete nicht, dass alles einfach war. Verunsicherung, Angst und Überforderung blieben meine täglichen Begleiter. Und es bedeutete auch nicht, dass alles einfach weiter ging, denn es gab noch viele weitere Umbrüche. Aber ich habe gelernt, dass nicht alles sofort geklärt sein muss, sondern dass es gilt, auf die Fragmente zu schauen, wo Gott handelt und spürbar wird. Mit dieser Sicherheit kann ich zur inneren Ruhe kommen. Trotz aller Fragen, trotz aller Trauer, trotz aller Schwierigkeiten, trotz aller Sorgen. Diese innere Ruhe bedeutet nicht, sie jederzeit fühlen zu können. Meistens gilt es, eine Entscheidung mit dem Kopf zu treffen, ihr zu vertrauen und der Unruhe nicht das Feld zu überlassen. Das ist etwas völlig anderes und sehr viel schwieriger, aber es bedeutet, meine Perspektive auf die Umstände zu verändern, statt darauf zu warten, dass Gott die Umstände ändert. Gott wirkt und handelt immer, er hat schon längst Menschen vorbereitet und geschickt, die helfen, unterstützen, Wissen haben – praktisch und emotional und im Gebet.
Meine fragile Ruhe wird auch jetzt im Moment gerade wieder von der Liebe Gottes und Fragmenten, die er vorbereitet hat, zusammengehalten.
Und wer weiß … Vielleicht bist du auch gerade ein hilfreiches Puzzleteil, das Gott nutzt, um jemand anderes zu versorgen. Mit deinem Zuspruch per WhatsApp, deinem Knowhow, deiner Idee, deinem Anruf, deinem Pferd, deinen Möglichkeiten oder mit einem leckeren Essen…. Denn Liebe geht ja durch den Magen.
Wie gut, dass Jesus das so ernst genommen hat.
Almut Bock