Mein Pferd kann auch predigen.....
Mein Pferd kann auch predigen …
Gottesdienst unter dem Motto: „Ich will Dich mit meinen Augen leiten.“ (Ps. 32, 8)
Ich hatte schon seit langem die Idee, mein Pferd zum Predigen in einen Outdoorgottesdienst mitzunehmen. Eine befreundete Gemeinde in Uttrichshausen, nicht weit von mir, konnte mir dafür einen passenden Rahmen anbieten. Sie hatten praktischerweise einen Bolzplatz genau neben dem Gemeindehaus.
Mit Pferd predigen – eine echt spannende Aufgabe. In USA gibt es einen Cowboy namens Todd Pierce, der ungerittene Jungpferde zum Predigen mitnimmt, aber so mutig bin ich nicht. Ich habe meinen Spanier Fuego mitgenommen. Das Thema meiner Predigt sollte „Beziehung“ sein. „Wie sieht es mit deiner Beziehung zu Gott aus?“ Das Pferd sollte mich unterstützen und das Thema Beziehung verdeutlichen. Ich kann ja viel von meinem Pferd erzählen, wenn es nicht dabei ist – was wir alles können und wie gut unsere Beziehung ist –, aber richtig spannend wird es eigentlich erst, wenn mein Pferd dabei ist und über mich „erzählt“. Es wird ein sehr ehrliches Zeugnis über mich und unsere Beziehung ablegen, vor allem, wenn ich es frei arbeite, ohne Strick oder Longe.
Ehrlich gesagt wusste ich nicht, wie das klappen würde, da ich es bisher nur einmal auf heimischem Boden ausprobieren konnte. Da hatte er wunderbar mitgemacht und auch eigene Akzente gesetzt (einmal donnernd abgehauen… aber sich zurückrufen lassen 😊)
Ich begann mit dem Tagesvers aus 5.Mose 6,5: „Du sollst den Herrn, deinen Gott von ganzem Herzen lieben, mit ganzer Seele und mit allen Möglichkeiten, die du hast.“ Meine Möglichkeit ist z.B. mein Pferd. Ich erzählte davon, dass wir Menschen mit Worten ganz andere Möglichkeiten haben, von Gott zu erzählen, als ein Pferd. Das Pferd kann zwar durch seine Körpersprache klar mit uns kommunizieren – aber es ist in unserer Sprache mit Worten nicht zuhause. Wer die Pferdesprache nicht beherrscht, kann das Pferd nur verstehen, wenn er eben dessen Sprache lesen lernt. Für Beziehung braucht es Kommunikation und Vertrauen.
Die Predigt nahm schon nach kurzer Zeit eine ganz andere Wendung. Der Platz war durch die Trockenheit der vergangenen Wochen recht hart, und so rutschte Fuego im Galopp auf einem besonders harten Teil des Platzes in der Kurve aus und es zog ihm alle vier Füße unter seinem Körper weg. Er schlug in voller Länge hart auf den Boden und rappelte sich sehr erschrocken wieder auf. Das hatte weh getan! Man konnte die Bestürzung im Publikum hören. Ich sah sofort nach ihm und war dankbar, dass alles heil geblieben war. Vertrauen wir Gott, auch wenn es uns mal den Boden unter den Füßen wegzieht? Darf er uns begleiten, nach uns sehen und uns auch heilen? Vertrauen wir ihm auch dann, wenn es schmerzhaft ist? Darf er die schmerzhafte Stelle berühren?
Fuego war sichtlich dankbar, nicht allein zu sein. Er blieb weiter eng bei mir und machte in der weiteren Freiarbeit fröhlich mit. Im Anschluss kamen einige auf mich zu und sagten, es habe ihr Herz ganz neu berührt, wie eng dieses Pferd – ohne dass es meine Worte voll verstehen kann – bei mir bleibt und sich voller Vertrauen gebrauchen und lenken lässt. Eine langjährige Missionarin sagt mir: „Ich habe heute erst begriffen, dass Gott ja auch bei uns ist, wenn wir mal am Boden sind. Mir kam es immer so vor, als wäre er dann weit weg, aber er ist ja ganz nah. Er begleitet uns durch die Situation und sieht nach uns, bis es uns wieder gut geht. Das ist mir heute ganz tief ins Herz gefallen, als ich dein Pferd stürzen sah.“
Ich durfte mein Pferd dafür einsetzen, meine Botschaft über Beziehung und Vertrauen zu Gott in der Predigt zu unterstützen. Darf Gott dich dafür einsetzen, seine Botschaft an andere Menschen um dich herum zu verdeutlichen? Er will den Menschen ins Herz sprechen, wie sehr er sich nach ihnen sehnt und sie liebt. Er braucht dich als Zeugnis. Deine Beziehung zu ihm und das, was er schon in deinem Leben getan hat, ist es, was anderen Menschen Mut macht, ihn zu suchen und zu finden.
„Die Himmel erzählen die Ehre Gottes und die Feste verkündigt seiner Hände Werk.“
(Ps. 19,2)
Sei auch du ein Botschafter mit allen deinen Möglichkeiten!
Esther Schroth