Muss ich diese Frage in unserem christlichen Kontext von SRS e.V. überhaupt stellen? Ist es nicht klar, dass wir eben christliche Werte wie Nächstenliebe vertreten, Werte, die es teilweise sogar bis in die Verfassung unseres großartigen Landes geschafft haben? Die beginnt in ihrer Präambel übrigens mit der „Verantwortung vor Gott und den Menschen“.

Diese doppelte Verantwortung möchte ich gerne wahrnehmen und ihr gerecht werden. Leider macht mir manche Lebenssituation jedoch sehr klar, dass mir das längst nicht immer gelingt, auch wenn ich als Pastor mein Motorrad heute sehr bewusst bewege. So manches Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer etwa ärgert mich extrem, ob ich alleine oder in einer Gruppe unterwegs bin. Ich kann schimpfen wie ein Rohrspatz und manchmal richtig patzig sein. Wodurch ich in persönlichen Konfrontationen schon andere verletzt habe. Dann kann ich nur um Entschuldigung bitten und hoffen, dass der andere  diese gerne annimmt.

Aber was, wenn nicht? Habe ich dann nicht anderen vermittelt, dass es bei Gott vielleicht doch nicht so richtig Liebe gibt? Und damit meinen christlichen Wertekompass mit Füßen getreten? Denke ich an früher auf dem Fußballplatz zurück, wird mir dieses Bild noch dramatischer vor Augen geführt. Autsch!

Einen Schritt weiter gedacht, stellt sich mir die Frage: Habe ich mit meinem „Ausrasten“ nicht sowieso bereits Christus mit Füßen getreten? Ganz unabhängig davon, ob mein Gegenüber heute ein anderer Verkehrsteilnehmer, früherer Gegenspieler oder gar Mannschaftskamerad ist und die Sache nicht so ernst genommen hatte?

In Matthäus 10 macht Jesus seine Ultras darauf aufmerksam, dass sie von anderen Menschen mindestens scharf beobachtet und teilweise sogar richtig angefeindet sein werden. In Vers 16 sagt er: „Seht doch: Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Seid klug wie die Schlangen, aber zugleich aufrichtig wie die Tauben!“

Über die Tiere befrage bitte Fauna-Experten, warum Schlangen klug und Tauben aufrichtig sind. Dass Jesus hier Aufrichtigkeit einfordert, bedeutet für mich, dass ich eben auch aufrichtig mit mir selbst sein darf. Also meinem Spiegelbild zugeben darf, dass ich es ja noch nicht mal schaffe, meinen menschlichen Wertekompass zu erfüllen. Wie sollte ich den von Gott erfüllen können?

Tröstlich, wenn auch anfänglich richtig schwer, ist mir, dass auch das wertvoll ist: Eigenes Versagen zu erkennen. Und es den anderen Beteiligten gegenüber zu bekennen. Und dafür um Entschuldigung zu bitten. Egal, ob ich mich vielleicht beleidigend geäußert oder auch meinen Trainingsplan trotz gegebener Zusage nicht erfüllt habe. Ehrliche Bekenntnisse sind zwar recht aus der Mode gekommen, aber sie sind nach wie vor herrlich befreiend. Ganz besonders dann, wenn dadurch Beziehungen wieder heil werden.

So möchte ich dich ermutigen, zu allererst aufrichtig mit dir selbst umzugehen. Damit du in der Folge auch aufrichtig mit deinen Mitmenschen umgehen kannst.

Auch wenn es manchmal echt schwer ist: Ein Hoch auf gelebte Werte!

Jörg Sahm

SRSmotorrad

Ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und wohnt in Griesheim

Er fährt Motorradtouren und macht Fahrsicherheitstrainings

Sein Motiv für Sportmission lautet: (Mit) Christus dort hinfahren, wo die Menschen sind.

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