In der Versuchung

„Erachtet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei
Versuchungen geratet; ihr erkennt ja, dass die Bewährung eures Glaubens standhaftes Ausharren bewirkt.“
Jakobus 1, 2f (nach Menge)

Jakobus gebraucht in seinem Brief zwei verschiedene Begriffe – „Versuchung“ und „Anfechtung“ – für dieselbe Sache. Manche Ausleger meinen, Versuchung sei etwas, das mehr von außen auf uns eindringe, während Anfechtung eher im Inneren eines Menschen seine Wurzel habe.

Versuchung und Anfechtung gehen auf Verführungskräfte zurück. Über falsch gestellte Weichen sollen sie uns vom geraden Weg mit Jesus ablenken. Zum Beispiel durch eine unklare Beziehung, durch Selbstanklage, Lustverlangen, durch eigene intellektuelle Argumente und vieles andere mehr. Über eine nach der falschen Seite umgelegte Weiche gerät man auf ein falsches Gleis. Und wer der Versuchung erliegt, findet sich auf dem Abstellgleis wieder.

Manövrierbar
Die Frage lautet: Wie kannst du verhindern, dass du selbst oder andere dir die Weiche falsch stellen? Jakobus sagt: „Achtet es (das, was euch widerfährt) für lauter Freude.“ Er gewinnt der Situation zuerst etwas Positives ab; sie bestätigt nämlich, dass unser Glaube „in Betrieb“ ist. Wenn du ohnehin auf dem Abstellgleis stündest, müsste dich ja niemand von der Hauptstrecke abbringen.

Es kann zunächst durchaus Spaß machen, der Versuchung nachzugeben; sie gaukelt uns einen kurzen Gewinn vor. Aber es kann auch sehr bedrückend sein, wenn vor großen Dingen, die Gott wirken will, bei uns „der Teufel los ist“. Für beides hat der Apostel dieselbe Antwort parat: Danke Gott, denn es signalisiert dir, dass dein Glaube lebendig ist – und Gott im Begriff steht, Großes zu tun. Genau das ist dem Widersacher ein Dorn im Auge! Ein Leistungsträger steht im Mittelpunkt des Geschehens, wird aber keineswegs nur bewundert. Genauso geht es dem Christen, der auf der Abschussliste des Gegenspielers steht, allein weil er Christ ist. Doch Gott hat dafür gesorgt, dass ihm das letztlich nicht gelingen wird. Und das Mittel dagegen heißt: „Freut euch, wenn ihr angefochten werdet!“

Austesten
Nicht Angst hilft in der Versuchung, sondern Freude! Freude darüber, dass Gott uns auch darin beistehen will. So wie wir dankbar sein sollen (Befehl!), wo es scheinbar nichts zu danken gibt, dürfen wir uns auch da freuen, wo vordergründig kaum Anlass dazu gegeben ist. Denn Gott steht über jeder Situation. Wer das begreift, fragt nicht mehr in erster Linie danach, ob ihm gerade zum Lachen oder zum Heulen zumute ist. Er lässt sich einfach auf diese Wege mit Jesus ein.

Und wenn du einer Versuchung oder Anfechtung erlegen bist, aus welchen Gründen auch immer, Gott hat das nie versagende Heilmittel der Vergebung für dich bereit. Sie ist nicht begrenzt und steht immer da bereit, „wo es passiert ist“. Aber es muss nicht passieren: weil Gott immer da ist und weil er immer der Stärkere ist. Dies stellt man in und nach der Bewährung fest.

Absolut nötig
Einer Anfechtung begegnet man nicht mit der Bitte um Vergebung. Denn Versuchung an sich ist noch keine Sünde. Zu ihr kommt es erst, wenn wir, wie Luther es ausdrückte, den Vögeln, die um unseren Kopf kreisen, erlauben, Nester darauf zu bauen. Dies gilt es strikt auseinander zu halten. Und weil Gott „den Sieg behält“ (Vgl. Psalm 118, 15b), kann Jakobus sagen: „Achtet es für lauter Freude.“

Helmfried Riecker

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2017-06-19T17:49:53+00:00 14. Juni 2017|Tags: , , |