WARUM TRAINIEREN?

John Piper, 1946 in Tennessee geboren, ist ein amerikanischer Pastor und Professor für Praktische Theologie. Mit seiner Organisation „Desiring God“ und dem von ihm gegründeten „Bethlehem College and Seminary“ in Minneapolis prägte er den Begriff des „Christlichen Hedonismus“. Sein Anliegen ist es, dass die Freude an Gott die höchste ist und daraus der Glaube gelebt werden kann. John Piper ist mit Noel verheiratet. Die beiden haben fünf Kinder.

2002 publizierte John Piper ein Buch, das hauptsächlich für Pastoren, aber auch für ehrenamtliche Mitarbeiter in Gemeinden gedacht war. Für viele eine Hilfe, um geistlich zu wachsen. In der kürzlich erschienenen Neuausgabe wurden zahlreiche neue Kapitel hinzugefügt. Eines behandelt das komplexe Thema der „Körper-Seele-Dynamik“. Dabei wurden die Fragen aufgegriffen, warum Bewegung für den Menschen wichtig ist was man aus geistlicher Sicht daraus lernen kann?

John Piper führt dazu aus: „Ich habe mich mit diesem Thema anhand der Bibel auseinandergesetzt. Dabei wird deutlich, dass körperliches Training wertvoll ist. Das geistliche Training erhält jedoch einen besonders hohen Stellenwert, wie auch in Timotheus 4, Vers 8 erwähnt. Wenn Sie also wählen müssen, dann wählen Sie das geistliche Training. Dennoch findet Paulus eben auch in körperlichem Training, in der Fitness, viel Gutes. Er bezieht lediglich den Hinweis mit ein, dass man sich dadurch nicht versklaven lassen soll.  „Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich.“ 1. Korinther 6,12

Wenn Sie mich also fragen, welches der biblische Leitfaden zu Themen wie Sport, Essen und Trinken etc. ist, würde ich mit dem bekannten Theologen Jonathan Edwards antworten: Wir sollen mit Freude essen und trinken, so wie Gott es in den Apostelbriefen zum Ausdruck gebracht hat. Gleichzeitig sollen wir aber darauf achten, unseren Glauben oder/und unsere Gesundheit oder die einer anderen Person dadurch nicht zu gefährden. Insbesondere darf es uns nicht die Fähigkeit rauben, Gott zu dienen.

Ich erinnere mich, dass ich vor Jahren in demselben Text zum ersten Mal erkannte: „Der Herr ist für den Leib und der Leib ist für den Herrn.“ Dass wir mit unserem Körper Gott dienen sollen, war mir klar. Schon früh hatte meine Mutter mich gelehrt, nicht zu rauchen, denn mein Körper sei „der Tempel des Heiligen Geistes“. Mit meinem Körper sorgsam umzugehen, habe ich also schon als Kind verstanden. Allerdings war mir nie klar, dass Gott auch „pro Körper“ ist, er sieht das keinesfalls platonisch. Gott hat unseren Körper erschaffen und darum möchte er auch, dass wir uns darum kümmern. Soweit meine biblische Erkenntnis.

Meine praktische Erkenntnis ist folgende: Während meines Studiums in Deutschland, ich war damals so Mitte Zwanzig, wurde mir erstmals bewusst, dass ich durch Schlafmangel reizbar und ungeduldig wurde. Das stellte mich nun vor ein gewaltiges theologisches Problem: Sagt die Bibel nicht, dass die Geduld eine Frucht des Heiligen Geistes ist? Und nun stellte ich an mir selbst fest, dass mein Geduldspegel eine Folge von genug oder zu wenig Schlaf war. Schließlich war ich ausgeschlafen viel weniger gereizt und viel geduldiger. Das ist also eindeutig eine „Körper-Seele-Dynamik“. Ganz eindeutig steigt oder fällt mein „Heiligungs-Niveau“ entsprechend meiner Schlafenszeit. Wie kann man das nun als biblisch bezeichnen?

Meine Erklärung lautet so: Der Heilige Geist weiß, dass wir aus Körper und Seele bestehen. Er kann uns mit übernatürlicher Kraft beschenken, wie Geduld, wenn wir nicht genug Schlaf bekommen. Genauso ist es aber auch seine Gabe, dass wir in Demut lernen, früh genug ins Bett zu gehen und gewissermaßen aufzuhören, selbst Gott zu spielen. Das tun wir nämlich, indem wir z.B. unnötig Zeit vor dem Fernseher verschwenden oder uns krumm arbeiten für irgendjemandes „Dissertation“. Das ist eben auch Sünde, wenn mangelnde Ruhezeit zu Ungeduld führt. Der Heilige Geist erinnert und uns lehrt uns, frühzeitig ins Bett zu gehen.

Ich weiß, dass ich zu Depressionen und Entmutigung neige. Dabei habe ich entdeckt, dass ich nicht mehr so oft depressiv werde, wenn ich dreimal pro Woche ins Fitnessstudio gehe und meinen Körper beim Laufen etwas zum Schwitzen bringe. Sicher gibt es körperliche, biologische Gründe dafür oder auch, dass ich zufriedener bin, weil ich etwas geleistet habe, anstatt nur zu Hause zu sitzen. Wie dem auch sei, ich weiß, dass es funktioniert. Depressionen schaden meinem Dienst, meiner Ehe und meinem Elternsein. Also gehe ich trainieren, um besser für Gottes Reich arbeiten zu können.

Man könnte Sport auch einfach sein lassen. Darüber lässt sich kontrovers diskutieren, aber grundsätzlich ist es möglich. Über Essen kann man nicht streiten, denn jeder muss Nahrung zu sich nehmen. Jeder muss schlafen, um zu leben. Ohne Bewegung kann man zwar leben, aber im Zusammenhang gesehen stellt sich die Frage, wie ich neben Essen und Schlaf mit der Bewegung umgehen sollte, damit mein Leben und meine Seele bestmöglich für den Einsatz in Gottes Reich zur Verfügung stehen können.

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